Ablauf

Geschichte_final

Der Anfang

Im Jahr vor der nächsten Maimusi werden alle unverheirateten Baierbrunner Madl zwischen 16 und 30 Jahren und Burschen zwischen 18 und 35 Jahren zur Wahl der neuen Ehrenpaare eingeladen.

Die Wahl findet Anfang des Jahres statt um den dann neu gewählten Ehrenpaaren genug Zeit für alle im Vorfeld erforderlichen Organisationen zu geben.

„Die Ehrenpaare“ setzen sich zusammen aus „Hochzeiter und Hochzeiterin“, „Ehrvater und Ehrmutter“ und „Kranzljunker und Kranzljunkerin“.

Zum Ehrenpaar gewählt werden kann jede/r, der/die sich freiwillig zur Wahl stellt.

Zur Begrüßung spricht unser Hochzeitslader ein paar Worte zur Dorfjugend und erklärt die Zusammenhänge und woher diese alte Tradition stammt.

Die Wahl wird dann öffentlich durch Handzeichen getätigt und gewählt ist der/ die mit der einfachen Mehrheit.

Die Wahl für die Ehrenpaare 2016 findet am 17.Januar 2015 um 19 Uhr im Sport und Bürgerzentrum Baierbrunn statt.

 

Vorbereitungen

Das ganze Jahr haben die Ehrenpaare nun Zeit sich nach einem geeigneten Wirt, einem Zelt, verschiedenen Bands und Blaskapellen umzusehen. Auch ein Tanzmeister, ein Hochzeitslader und viele ehrenamtliche Helfer werden benötigt und wollen rechtzeitig gefragt und informiert werden.

Auch die Suche nach einem geeigneten Baum zählt zu den Aufgaben der Ehrenpaare. Sollte ein entsprechender Baum dann schon mal ins Auge gefasst sein, stellt sich jedoch gleich die Frage wo darf der Baum gelagert und die Wachhüttn aufgestellt werden? Wo stört man die Anwohner am wenigsten? Wo macht man es Maibaumdieben nicht ganz so leicht?

Im Sommer geht’s dann schon mit den ersten Vorbereitungen los, das Feuerholz wird gemacht, damit man im nächsten Jahr eine warme Wachhüttn und ein gemütliches Lagerfeuer hat.

Im November beginnen die ersten Tanzproben und die Maimusijugend findet sich langsam zusammen. Meist findet im Sommer eine kleine Auftaktveranstaltung statt, damit sich alle, die mitmachen möchten schon einmal kennenlernen können.

Am Baierbrunner Christkindlmarkt tritt die Maimusi dann erstmals als Gruppe öffentlich in Aktion und darf in der Hüttn vom Trachtenverein Würstel und Getränke verkaufen. Dabei wird sie vom Ort gespannt beobachtet, wie sie sich bei ihrer ersten Amtshandlung schlägt.

 

Baumfällen

Kurz vor Weihnachten wird von allen Maimusi-Mitgliedern der künftige Maibaum im Wald bestimmt und schließlich zwischen Weihnachten und Silvester gefällt. Dies ist für alle immer ein besonderes Ereignis denn der Baum repräsentiert immerhin fünf Jahre die Maimusi und gilt seit jeher als Statussymbol und Aushängeschild einer Gemeinde. Anschließend wird der Baum geschepst, d.h. von der Rinde und dem Bast befreit um schon einmal trocknen zu können. Bis zum Faschingsdienstag wird er nun im Wald gelagert.

Die Tanzproben laufen nun ein bis zweimal die Woche und es sind große Fortschritte zu erkennen.

Kurz vor Fasching wird es dann spannend. Die Maimusi plant einen großen Faschingsball, die Wachhüttn muss aufgebaut werden und auch die Stempen und Balken für die Lagerstelle des Baums müssen vorbereitet werden damit der Baum geschützt vor Wind und Wetter in Ruhe trocknen und bearbeitet werden kann.

Nun es ist soweit – Faschingsdienstag – der Baum kommt ins Dorf. Angeführt von der Blasmusik wird der Baum von einem Traktor an die geplante Lagerstelle gezogen und das ganze Dorf feiert bei Musik, Kinderpunsch, Glühwein, Bier und Brotzeit den Beginn einer arbeitsreichen, stressigen aber auch sehr lustigen und geselligen Wachhüttnzeit.

 

Baumarbeiten

Der Baum ist da und nach der ersten großen Party und den Nachwehen vom Fasching geht es zügig an die Bearbeitung des Baumes. Jeden Samstag heißt es ran an die Schepseisen, Hobel, Schleifpapiere,.. . Hier helfen alle mit egal ob Bursch oder Madl.

So wird der Baum noch einmal geschepst, gehobelt und dafür gesorgt, dass er schön rund und gleichmäßig wird. Wenn er genug getrocknet ist wird er geschliffen um eine ebenmäßige Oberfläche für die Farbe zu erhalten.

Nun wird es auch Zeit die Schilder an den neuen Baum anzupassen und diese zu überarbeiten damit sie auch für die nächsten fünf Jahre die Baierbrunner Zünfte repräsentieren und so zum Stolz des gesamten Ortes beitragen.

Anschließend bekommt der Maibaum durch unseren Maler seine weiß-blaue Farbe und das Rautenmuster.

 

Aufstellen

Nachdem der neue Baum fertig bemalt ist und auf sein Aufstellen wartet, muss natürlich der alte Maibaum erst noch umgelegt werden. Dies geschieht in Baierbrunn ca. eine Woche vor dem 1. Mai und ist ein großes Spektakel. Der Maibaum wird stückweise von einem Auktionator mit viel Spaß und guten Sprüchen unters Volk gebracht. Die Maimusi kümmert sich um Essen und Getränke.

In der Nacht vorm Aufstellen des neuen Maibaums, ist traditionell Madlwach. Damit die Burschen ihre Kraft für das Aufstellen des Baums sammeln können heißt es um 22 Uhr „Ab ins Bett!“ und die Madl bewachen den Maibaum, damit es am nächsten Tag kein böses Erwachen gibt und der Baum auf einmal weg ist. Um 6 Uhr morgens geht es dann los, während die Dearndl sich frisch machen und die ein oder andere Stunde Schlaf nachholen, wird der Baum verladen und in die Dorfmitte gebracht. Dort wird schon fleißig alles vorbereitet was für das Aufstellen benötigt wird: Scharstangen, Kränze, Gockel, Minibagger, Traktor,… . An diesem Tag sind dann alle Baierbrunner Burschen und Männer eingeladen zu helfen, den Baum mit den Scharstangen per Hand aufzustellen. Damit das auch richtig funktioniert und die Männer wissen was sie zu tun haben, gibt es einen Baummeister, der erklärt und koordiniert was zu tun ist. Durch seinen Ruf „Hau…“ wissen alle, dass sie sich bereit halten müssen und mit „…Ruck“, dass sie jetzt wieder zeigen müssen was sie können um den Baum durch ihre Muskelkraft wieder ein Stück weiter aufzurichten. Bis der Baum steht kann es dann schon mal 3-4 Stunden dauern, und alle haben sich die Maß frisches Bier, des knusprige Hendl und de resche Brezn anschließend im Bierzelt mehr als redlich verdient.

Während im Bierzelt schon gefeiert wird montiert die Feuerwehr mit ihrer Drehleiter die Schilder am Maibaum und der Blumenkasten am Fuße des Baums wird angebracht und bepflanzt.

Maimusi

Dann ist es endlich soweit, der große Tag ist angebrochen.

Um 6:00 Uhr früh wird Baierbrunn und Buchenhain von einem lauten Kanonenschlag geweckt. Während die Burschen sich noch einmal im Bett herumdrehen, sind die Maimusimadl zu dem Zeitpunkt schon längst damit beschäftigt die (geliehene) Miesbacher Tracht anzulegen und die Haare zu frisieren. Der Tag beginnt offiziell mit einem ausgiebigen Weißwurschtfrühstück. Die Ehrenpaare werden zur Feier des Tages und in Würdigung ihrer Dienste während der gesamten Maimusizeit vom Hochzeitslader und der Blasmusik persönlich von zu Hause abgeholt. Da in Baierbrunn am Festtag traditionell eine bayerische Hochzeit nachgestellt wird, tragen die Hochzeiterin, als Braut, und die Ehrmutter, als „verheiratete Frau“, den Schalk, das bayerische Hochzeitsgewand. Die Kranzljunkerin als Trauzeugin darf ein Seidendirndl tragen.

Burschen und Madl getrennt wird sich im Anschluss zum Kirchenzug aufgestellt um die neue Maibaumfahne in einem Festgottesdienst in der Kirche weihen zu lassen.

Unter den Klängen der Bayernhymne zieht der Kranzljunker dann zum ersten Mal die weiß-blaue Fahne am Maibaum auf, die fortan jeden Sonntag und Feiertag vom XX.XX. bis XX.XX. am Maibaum wehen wird.

Auf dem Weg zum Festzelt wird am Kriegerdenkmal den Verstorbenen gedacht und ein Kranz niedergelegt.

Im Festzelt beginnt das Programm auf der Bühne mit dem Auftanz, dem so genannten Hungertanz, bei dem sich die Madl ihre Burschen noch selbst aussuchen dürfen. Erst danach gibt es für die Maimusijugend Mittagessen. Viele Madl und Burschen können aber vor lauter Aufregung nicht viel essen, weil im Anschluss mit der Verlosung der Paare die Frage beantwortet wird, mit wem muss/ darf ich den restlichen Tag tanzen. Aus dem Hut des Hochzeitsladers ziehen die Madl jeweils einen Zettel mit dem Namen eines Burschen drauf. Und von Freudentränen bis tiefster Enttäuschung über den gezogenen Kandidaten ist alles dabei.

Nach mehreren Tänzen und Schuhplattlern auf der Bühne, bei denen die Dorfjugend zeigt was sie in den letzten Monaten an bayerischen Tänzen gelernt hat, stellen sich alle zur großen Francaise auf. Ein Kontratanz mit vielen Tanzfiguren.

Wie es sich für eine ordentliche bayerische Hochzeit gehört darf auch das Weintrinken nicht fehlen. Die Maimusijugend marschiert im Anschluss an die Francaise zum Weintrinken, wo das ein oder andere Gläschen Wein mit zünftiger Musik geleert wird.

Zum Spaß der Dorfbewohner wird nach der Rückkehr der „Hochzeitsgesellschaft“ die Francaise noch ein zweites Mal aufgeführt.

Der Festtag endet am späten Nachmittag mit dem Verlesen der Gstanzl über jedes Mitglied der Maimusijugend. Der Hochzeitslader hat sich während der Maimusizeit über die jeweilige Person Notizen gemacht, eventuelle Fehltritte erfasst und alles in Reimform zusammengestellt.